Kindernothilfe Schweiz

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Evaluierung als Arbeitsinstrument

Die Kindernothilfe setzt in der Projektarbeit routinemäßig Evaluierungen ein - um aus Erfahrungen zu lernen und die Projektarbeit gezielt zu steuern, um die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit der Maßnahmen zu erhöhen. Dazu ein typisches Beispiel aus Ruanda.

In Ruanda führt die Kindernothilfe seit 2007 mit ihrer Partner-Organisation African Evangelistic Enterprise (AEE) ein vierjähriges Projekt durch. In den Regionen Nyamagabe, Muhanga und Rubavu sollen bis zu 20.000 Frauen und ihre Familien durch Selbsthilfegruppen (SHG) ihre wirtschaftliche, soziale und politische Situation eigenständig und nachhaltig verbessern. Die Kindernothilfe und ihre Partner haben den SHG-Ansatz bereits seit 2003 in verschiedenen Ländern, darunter Ruanda, mit großem Erfolg implementiert bzw. bereits vorhandene Initiativen ausgeweitet.

Vom 9. bis zum 22. September 2009 führten die Kindernothilfe und AEE eine Zwischenevaluierung durch, um nach der Hälfte der Projektlaufzeit Schlussfolgerungen und Empfehlungen für mögliche Projektanpassungen zu erarbeiten. Im Fokus: die Überprüfung der Zielsetzungen und der dazugehörigen Indikatoren. Effektivität und Effizienz der Projektkonzeption sowie der Implementierung der Aktivitäten in den unterschiedlichen Projektregionen wurde genauso geprüft wie Wirkungen und Nachhaltigkeit dessen, was bisher erreicht wurde.

Um ein möglichst objektives und unabhängiges Ergebnis zu erhalten, stellten die Kindernothilfe und AEE nach einer Ausschreibung ein Evaluierungsteam zusammen. Es bestand aus einem ruandischen Berater mit Schwerpunkt Management und einer deutschen Beraterin mit Schwerpunkt ländliche Entwicklung. Auswahlkriterien waren unter anderem die fachlichen Schwerpunkte der Personen und die Erfahrung mit der Durchführung von Evaluierungen.

Methodisch stand die partizipative Arbeit mit den Projektmitarbeitern und der Zielgruppe im Vordergrund. Nach einer ausführlichen Datenanalyse startete die Evaluierung mit einem Workshop für Projektmitarbeiter, um eine gemeinsame Basis zu schaffen und die Durchführung konkret abzusprechen. Ein zweiter Schritt waren strukturierte Interviews mit SHGs sowie einzelnen Frauen, Männern und Kindern. Durch sie bekam das Evaluierungsteam systematisch wichtige Informationen über die Projektarbeit und deren Wirkung. Auch externe Informanten wie Lehrer und Regierungsvertreter gaben ihr Wissen weiter . Um sich ein eigenes Bild der Lage vor Ort zu machen, besichtigen die beiden Evaluierer Gemeindeeinrichtungen wie neu errichtete Brunnen und Terrassenanlagen. Durch Workshops mit den Gemeindemultiplikatoren erhielten sie Einsicht in den Fortschritt des Projektes sowie die Stärken und Schwächen des Projektes aus deren Sicht. In enger Zusammenarbeit mit ihnen und den AEE-Mitarbeitern wurden die Stärken und Schwächen sowie die Chancen und Herausforderungen des Projektes systematisch analysiert und diskutiert.

Die vorläufigen Ergebnisse ihrer Untersuchungen diskutierte das Evaluierungsteam in einem Workshop mit Vertretern der Zielgruppe und Projektmitarbeitern. Dabei konnten diese nochmals überprüft und offene Fragen geklärt werden.

Fazit des Abschlussberichts: Das Projekt verläuft größtenteils planmäßig. Zusätzlich zu den kurzfristig sichtbaren Erfolgen sind Anzeichen für langfristig nachhaltige positive Wirkungen spürbar. In kurzer Zeit wurden 11.108 Menschen erreicht. Sie fühlen sich in hohem Maße für das Projekt verantwortlich, das ihre konkreten Bedürfnisse trifft.

Neben zahlreichen Weiterbildungen führten die Projektmitarbeiter mit der Zielgruppe zusammen einige Infrastrukturmaßnahmen durch - z.B. der Bau von Kindergärten, Terrassenanlagen zur landwirtschaftlichen Nutzung oder Brunnen. Durch gemeinsames Sparen in den SHGs konnten Kleinkredite an die Mitglieder vergeben werden, was zu einer verbesserten wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Menschen geführt hat. Viele Frauen fühlen sich selbstbewusster, ihre Rolle in den Familien wurde deutlich gestärkt und ein friedlicherer Umgang im Zusammenleben miteinander ist klar zu beobachten. Viele Kinder sind durch die bessere Ernährung und die verbesserte hygienische Situation weniger krank und können sich so auch in der Schule besser konzentrieren. Der ganzheitliche Ansatz des Projektes, die lokale Freiwilligenarbeit, die hohe Identifikation der Menschen mit dem Projekt und vor allem auch die in den Gruppen verfügbaren Kleinkredite bilden eine gute Basis für eine nachhaltige Wirkung der Projektaktivitäten.

Trotz der genannten Erfolge sind im Bereich des Monitoring und Managements auch Defizite festgestellt worden. Nach der Beurteilung des Evaluationsteams sind einige der Selbsthilfegruppen zu groß, was die Effizienz der Arbeit beeinträchtigt. Die Gruppen haben begonnen, an Berghängen Terrassen anzulegen, um die neu gewonnen Ackerflächen landwirtschaftlich zu nutzen. Der Bau der Terrassenanlagen sollte aus Kostengründen noch einmal überdacht werden. Einige Indikatoren, die die Zielerreichung der Projektkonzeption messen sollen, stellten sich in der Praxis als zu hoch gegriffen heraus - so zum Beispiel die Zahl der SHG-Mitglieder, die im Laufe des Projektes lesen und schreiben lernen sollten. Als Handlungsempfehlung hat sich daraus unter anderem die Einstellung eines zusätzlichen Projektmitarbeiters in einem Projektgebiet ergeben. Im Bereich Monitoring schlugen die Evaluierer ein einheitliches Datenmanagement und systematischere Datenanalyse vor.

Unser Partner AEE hat die Ergebnisse und Empfehlungen, die das Evaluierungsteam in seinem Abschlussbericht formuliert hat, mit seinen Mitarbeitern besprochen und kommentiert. Die Kindernothilfe wiederum hat zu diesen Kommentaren Stellung genommen. Aus diesen Bewertungen des Abschlussberichts haben beide Partner schließlich einen Aktionsplan entwickelt, wie die Empfehlungen und Anpassungen des Projektes weiterentwickelt werden können.

Für die Kindernothilfe wird das Instrument Evaluierung auch in Zukunft eine große Rolle spielen, um Ergebnisse zu dokumentieren und zu analysieren, aus Erfahrungen der Projektarbeit zu lernen und die Partner beim Steuern der Projekte zu unterstützten. Deshalb wird sie ihr Evaluierungskonzept immer weiter fortschreiben.