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Guatemala: Wenn Kinder nicht zur Schule dürfen

 

In der Kleinstadt San Andres sind etliche Kinder gezwungen zu arbeiten. Sie tragen den Müll der Reicheren gegen Geld weg, sammeln Holz, pflücken Blumen und verkaufen oder putzen Schuhe. Nicht zur Schule gehen zu dürfen, ist aber bei vielen Kinder nur eines von vielen anderen Probleme.

Bild1_Christian

Christian (11 Jahre)

Es ist Mittag. Während seine kleinen Geschwister einen Drachen aus einer Plastiktüte steigen lassen, läuft der elfjährige wie jeden Tag eine Stunde zu Fuss nach San Andres. Bei „seinen festen Kunden“ trägt er deren Müllsäcke zu einem Sammelpunkt. Wenn es gut läuft verdient er sich so 1 Franken am Tag.

Doch viel lieber würde Christian wieder zur Schule gehen.  „Mama würde es erlauben“. Doch da nimmt er seine Mutter wohl mehr in Schutz, denn um die Familie durch zu bringen muss sie das Heft fest in der Hand halten und schickt ihre älteren Kinder lieber arbeiten als in die Schule. Doch was bleibt ihr auch anderes übrig. Damit alle zwölf Kindern und fünf Enkeln überleben können müssen eben alle mit anpacken. Und so ist auch Christians täglicher Franken für alle überlebenswichtig.

Vom Vater kann die Familie nichts erwarten. Wie die meisten Männer in den Slums, ertränkt er sein Leid im Alkohol. Nur noch ganz selten rafft er sich auf und arbeitet als Tagelöhner irgendwo auf dem Bau. Anstatt Liebe hat er für die Kinder nur noch Schläge übrig.

Mit seinem Bruder Wilber und seinem nur 4 Jahre ältere Onkel Sergio kommt Christian seit kurzem regelmäßig zum Zentrum von „Coincidir“ („Zusammenwirken)“. Hier machen sie Musik und Sport. Hier lernen sie sich zu wehren und tanken Selbstvertrauen. Bei Coincidir gehen sie zwar nicht zur Schule, doch sie sind wenigsten weg von der Gewalt zuhause und auf der Strasse.

Bil2_Kind mit DracheRosa (10 Jahre)

Rosas kleiner Körper war grün und blau geschlagen. Übersät von Wunden und Striemen. Offenbar hatte der Vater sie mit Gürteln geschlagen und seine Kippen auf ihrem Rücken ausgedrückt. Später tauchten bei einem Medizincheck dann auch noch längst verheilte Knochenbrüche auf.

Und unübersehbar sind auch Rosas seelischen Wunden. Rosa hat sich in „ihr Schneckenhaus“ zurückgezogen. Sie weint viel, ist traurig und sie hat Angst. Sie ist, davon ist Rosa selbst am meisten überzeugt, „Ein wertlose Häufchen Elend“.

Mit Hilfe von Coincidir hat die Mutter den Mut gefunden den Vater zu verklagen. Nun darf er nicht mehr in ihre und Rosas Nähe. Nun endlich kann Rosa daran arbeiten wieder ein selbstbewusstes Kind zu werden. Als Teil des Heilungsprozesses macht das kleine Mädchen nun bei der Theatergruppe mit. Schritt für Schritt geht es ihr langsam wieder besser. Und ein riesen Schritt für Rosa: Sie geht endlich wieder zur Schule.

Armut + keine Schule + Gewalt = keine Zukunft + keine Perspektive

Bild 3 Junge HuckepackFür viele der Kinder ist das Leben zu einem Teufelskreislauf geworden und ohne Hilfe wird er auch wie bei ihren Eltern in Drogen und Gewalt enden.  „Niemand will mit Problemkindern zu tun haben - außer uns“, sagt Saul Interiano. Der 43jährige hat „Coincidir“ gegründet. Er weiss wie sich die Kinder fühlen, denn Saul ist einer von ihnen. Als kleiner Junge flieht er vor den Schlägen des Vaters. Lebt auf der Strasse. Mit Gewalt schlägt er sich buchstäblich durchs Leben und landet im Heim und wird missbraucht. Er zerbricht, doch das macht ihn am Ende stark genug um sein Projekt zu gründen. Damit will er den Kindern helfen. Und sein Projekt wächst mit Chejo, heute der Mann für alles im Haus oder die Therapeutin Ana Victoria. Sie alle können die gleichen schlimmen Geschichten aus der eigenen Kindheit erzählen. Darum sind sie auch für viele der Kinder Vorbilder.

Mit seinem Team kämpft er daher um jeden seine Schützlinge. Mit den Schulen, den Familien und oft auch mit seinen Schützlingen selbst. Gerade ringen sie um Cristians Zukunft. Denn Christian träumt davon endlich wieder zur Schule gehen.

Die Träume der beiden Älteren Wilber und Sergio hingegen scheinen bereits erloschen. Als Saul sie fragt, was sie in 10 Jahren arbeiten werden, herrscht langes Schweigen. Und dann antworten sie: „vielleicht gelegentlich Maurer oder Hilfsarbeiter auf dem Bau. So wie Vater und Grossvater.“

Auch Saul weiss und das sagt er selbst ganz offen: “ Auch wir sind wie die Banden da draussen, nur eine Alternative für die Kinder. Doch mit unserer Hilfe kommen sie hier zur Ruhe. Bei uns finden sie jemanden der sich um sie kümmert, der zuhört und der ihnen hilft.“

 

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