Kindernothilfe Schweiz

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Ein Hemd im Fenster signalisiert Gewalt in der Familie

Ein Auszug aus dem Interview mit Andrea Iglesis, Expertin für Kinderrechte in Lateinamerika

Lateinamerika ist bekannt als Region mit dem höchsten Gewaltaufkommen weltweit. Laut den aktuellen Zahlen der Vereinten Nationen sind jeden Tag 67 Jugendliche zwischen 10 und 19 Jahren Opfer von Mord und Totschlag. Zudem werden in Lateinamerika jeden Tag 1,1 Millionen Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren Opfer von sexueller Gewalt.

 

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Corona verschärft zusätzlich die Lage der Kinder in Lateinamerika. Die Folgen der Quarantäne sind ein erhöhter Stresslevel innerhalb der Familien sowie versäumter Unterrichtsstoff. Weiterhin nimmt die Cyber-Kriminalität stark zu. In Zeiten von Corona gibt es viele Bereiche, die eine Herausforderung in Bezug auf den gesundheitlichen und seelischen Schutz der Mädchen und Jungen darstellen. Insbesondere gilt dies für Kinder in Wohnheimen, Krankenhäusern und Jugendhaftanstalten. Ausgegrenzt von institutionalisierten Hilfsmassnahmen sind zudem Strassenkinder sowie Kinder von Migranten und Flüchtlingen.

Neben dem Anstieg von Morden an Frauen und häuslicher Gewalt sind momentan auch Kinder von erhöhter Gewaltbereitschaft betroffen. Die Systeme der Grundversorgung funktionieren in manchen Regionen nicht mehr. Die einzelnen Länder haben keine einheitlichen Schutzmassnahmen für Bedürftige und Kinder implementiert, sondern unterschiedliche Massnahmen, je nach Mitteln und Möglichkeiten. Aber momentan werden die Schutzmassnahmen zurückgefahren und Vergehen seltener gerichtlich verfolgt, was zu einem Anstieg der Gewalt führt. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen hat auf einen weltweiten Anstieg der häuslichen Gewalt erschütternden Ausmasses im Zusammenhang mit Covid-19 hingewiesen.

Es gibt einige wenige Hilfsangebote aus der Zivilbevölkerung heraus, um den Kindern zu helfen, die Opfer von Gewalt geworden sind. So gibt es zum Beispiel die Vereinbarung, ein Hemd in einer bestimmten Farbe aus dem Fenster zu hängen, wenn man Hilfe benötigt - als Signal für die Nachbarn und Passanten, dass hier ein Kind in Not ist.

Die Kindernothilfe unterstützt Nichtregierungsorganisationen dabei, die Rechte gefährdeter Kinder zu schützen. Gemeinsam helfen sie den lokalen Behörden, Massnahmen zur Prävention von Gewalt zum Schutz der Kinderrechte zu entwickeln und Räume der Sicherheit für Kinder und Jugendliche zu implementieren. Viele ihrer Partner in Lateinamerika versuchen zurzeit, den innerfamiliären Stress zu minimieren und die Gesellschaft dazu zu bringen, Gewaltdelikte anzuzeigen. Auch im Internet erhalten die Kinder Möglichkeiten, Bescheid zu geben, wenn sie Opfer von Gewalt oder Missbrauch geworden sind. Die Kindernothilfe und ihre Partner haben bereits frühzeitig gesundheits- und gewaltpräventive Massnahmen zum Schutz von Kindern verstärkt umgesetzt, weil sie die Folgen von Covid-19 vorausgesehen haben. Sie haben verschiedene Kommunikationswege für Gewaltopfer geschaffen, zum Beispiel haben sie Ansprechpartner in Gemeinden bestimmt, um schnell auf mögliche Vergehen reagieren zu können, ohne das Kontaktverbot zu verletzen.

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