Kindernothilfe Schweiz

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Nach Explosion in Beirut: Hilfe für traumatisierte Kinder

"Ich fing an zu schreien, weil ich solche Angst hatte" 

Text: Marc/Katharina Draub Fotos: Kindernothilfe-Partner

Die schrecklichen Bilder der gewaltigen Explosion im Hafen von Beirut gingen unmittelbar um die Welt. Genauso schnell folgte eine Welle der Solidarität – mit weltweiten Spendenaufrufen für die Menschen im Libanon. Mit den eingenommenen Spendengeldern unterstützt die Kindernothilfe die Arbeit ihrer Partnerorganisationen vor Ort. Damit können sie Kindern und ihren Familien in dieser Notsituation helfen und sie schützen. So etwa auch Marc, neun Jahre alt, der die traumatisierenden Minuten in Beirut miterlebt hat und nun therapeutische Hilfe durch unsere Partner bekommt.

„Ich habe im Zimmer meiner Eltern Videospiele gespielt. An dem Tag war es sehr heiss. Deswegen waren alle Fenster geschlossen, und die Klimaanlage war eingeschaltet. Als dann die erste Explosion kam, dachte ich, es sei ein schweres Erdbeben.“

Grauschwarze Rauchwolken steigen am Hafen von Beirut empor. Sie kommen aus einer grossen Lagerhalle. Blitze sind zu sehen. Es brennt. Wenige Sekunden später dann die schreckliche Katastrophe: Eine gewaltige, ohrenbetäubende Explosion erschüttert Beirut. Eine pilzförmige Rauchwolke bedeckt den blauen Himmel. Die Videos und Bilder von Augenzeugen, die diese Explosion am frühen Abend des 4. August gefilmt haben, gingen sofort um die Welt. 

„Das Gebäude wackelte hin und her. Bei der zweiten Explosion sind alle Fenster zersprungen. Das kaputte Glas lag überall auf dem Boden und dem Bett. Ich fing an zu schreien, weil ich solche Angst hatte. Ich wusste nicht, was los war. Meine Mutter und meine beiden ältesten Schwestern haben mich gepackt, und wir sind schnell zu unseren Nachbarn im Erdgeschoss gerannt, um uns zu verstecken. Aber auch in der Wohnung lag überall Glas, die Türen und Möbel waren kaputt. Als mein Vater später am Abend nach Hause kam, sind wir zurück in unsere Wohnung gegangen und haben angefangen, aufzuräumen.“

Marc ernst.jpgzoomMarc berichtet vom Abend der Explosion in Beirut, die er miterlebt hat.


Die Katstrophe trifft ein bereits anspanntes Land

190 Menschen haben an diesem Abend ihr Leben verloren, über 6’000 wurden verletzt. Viele Menschen gelten weiterhin als vermisst. Etwa 300’000 Einwohner haben in wenigen Sekunden ihr Zuhause verloren. Auch 120 Schulen, die von 55’000 libanesischen und nicht-libanesischen Kindern genutzt werden, wurden stark beschädigt. Die bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass 2’750 Tonnen konfisziertes Ammoniumnitrat explodiert sind, die bereits seit sechs Jahren dort kaum gesichert gelagert wurden.

„Ein paar Nächte konnte ich nicht alleine in meinem Bett schlafen. Ich hatte sehr viel Angst. Ich habe dann bei meinen Eltern geschlafen, bin aber immer wieder aufgewacht, weil ich schlecht geträumt habe. Meine Familie hat sich ein paar Tage später dazu entschieden, ein Haus in einem Dorf in den Bergen zu mieten, damit ich nicht mehr so viel Angst habe. Die Stimmung in der Stadt war sehr traurig. Seit ich im Dorf bin, geht es mir ein bisschen besser. Ich habe ein paar Narben. Jedes Mal, wenn ich ein lautes Geräusch höre, zittere ich am ganzen Körper und renne zu meinen Eltern.“

Die Katastrophe trifft ein bereits angespanntes Land. Covid-19 wütet seit Monaten im Libanon, und schon vor der Explosion stiegen die Zahlen der Infizierten und Toten in die Höhe. Die Gesundheitsversorgung war labil, und die Intensivstationen der Krankenhäuser waren ohnehin schon an ihren Kapazitätsgrenzen. Die Explosion hat nun viele Kliniken teilweise oder komplett zerstört. In der Notsituation konnten draussen auf den Strassen die Abstandsregeln kaum noch eingehalten werden. Hinzu kommt eine schon lange herrschende starke Wirtschafts- und Finanzkrise, die die Menschen in die Verzweiflung treibt. Die Wut über die Regierung ist gross – das zeigten auch die unmittelbaren Proteste in der Stadt gegen die Regierung, die nach einigen Tagen zurücktrat.

Wichtige Hilfe für traumatisierte Kinder

„Ich versuche, mehr und mehr von diesem Tag zu vergessen. Das Leben der Kinder, die ich in Disney-Filmen sehe, scheint viel einfacher zu sein als meins. Vergangenes Jahr haben wir noch im Park gespielt und geschaukelt. Ich vermisse meine Freunde. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. In der Stadt konnte ich mit meinen Freunden immer noch per WhatsApp schreiben. Aber hier ist das Internet sehr schlecht.“

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Zweck: Beirut: Hilfe für traumatisierte Kinder

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