Kindernothilfe Schweiz

Dauerhaft. Liebevoll. Weltweit.
Jetzt spenden

Gewaltprävention und Zugang zur Bildung

Allgemeine Informationen und vorbereitende Aktivitäten

In San Pedro Sula lebten 42 % der Menschen in Armut. Auch im vergangenen Jahr wies die Region wieder die höchste Mordrate des Landes auf. Allein in San Pedro Sula fanden 800 Morde statt.

Das Projekt der Kindernothilfe ist in fünf am Fluss gelegenen Vierteln der Stadt aktiv, die als „Bordos“ bezeichnet werden. Zu Beginn wurden Informations- und Diskussionsveranstaltungen durchgeführt. Lokale Entscheidungsträger sowie Personen und Organisationen, die sich in den Bordos für Kinderrechte engagieren, wurden eingeladen. Anschliessend wurde eine Studie gemacht, um den Ist-Zustand in den Vierteln zu ermitteln und so einen Ausgangspunkt für die Projektarbeit zu erhalten. Eltern, Kinder und Jugendliche, Lehrer und Mitglieder der organisierten Zivilgesellschaft wurden zu verschiedenen Themen befragt. Auf Basis dieser Daten ist es später möglich die Fortschritte des Projektes zu messen.

Die Untersuchungen ergaben, dass die Hauptprobleme der Projektviertel in einer hohen Analphabetenquote, gesundheitsschädlichen Lebensbedingungen, innerfamiliärer Gewalt, Kinderrechtsverletzungen wie Kindesmisshandlungen und geringen Freizeitmöglichkeiten liegen. Wir setzten uns daher zum Ziel, die Bildungsmöglichkeiten zu verbessern, die Bevölkerung für Kinderrechte zu sensibilisieren und Kindesmissbrauch zu verringern, die hygienischen Verhältnisse zu verbessern, lokale Entscheidungsträger fortzubilden und die Netzwerkarbeit zwischen den Organisationen zu stärken.

Junge spielt (in einem  (Quelle: Miguel A. Cabrera)zoomJunge spielt am Boden, Foto: Miguel A. Cabrera

Aus- und Fortbildung
Die Familien aus den Bordos haben meist nicht genügend finanzielle Mittel, um ihre Kinder mit den notwendigen Schulmaterialien auszustatten. Diese sind jedoch eine Voraussetzung, um die Schule besuchen zu dürfen. Daher verteilten wir an die Kinder und Jugendlichen über 120 Schulrucksäcke und Schuluniformen. In Ausbildungskursen zu Kosmetik, Backwesen, Elektrik und Schmuckherstellung lernten die Jugendlichen wichtige Kompetenzen, die sie zur Eröffnung eines eigenen kleinen Geschäftes benötigen. Einige von ihnen erhielten zudem ein Starterkit und machten sich bereits selbständig.

Gesundheitswesen
In den Bordos fehlt es an Gesundheitszentren. Daher wurden 30 Jugendliche und Erwachsene durch Feuerwehrmänner in Erste-Hilfe-Massnahmen im Bereich Erkennung lebensbedrohlicher Zustände, Verbrennungen, Schocks und Erstickungsanfällen ausgebildet. Aufgrund der brandunsicheren Zustände der Kabelsysteme in den Bordos lehrten die Feuerwehrmänner in einem weiteren Kurs auch Methoden der Brandprävention und der Evakuierung im Brandfall. Dabei wurden auch Verantwortlichkeiten benannt und ein Bürgerschutzkomitee gebildet.

Kindesmissbrauch und innerfamiliäre Gewalt
In Diskussionsrunden wurden aktuelle Themen wie Prävention innerfamiliärer Gewalt, Gleichheit zwischen den Geschlechtern und Maskulinität besprochen. Dabei konnten knapp 300 Menschen für die Bedeutung von Gleichberechtigung für ein harmonisches Zusammenleben und selbstbestimmte Lebensräume sensibilisiert werden. In fünf Kampagnen, an denen sich aus jedem Bordo über 50 Personen aller Altersgruppen beteiligten, wurde das Thema Gewaltfreiheit mit Fokus auf Formen des Zusammenlebens, Respekt und sozialen Frieden behandelt. Dabei wurde für die Bedeutung von Gewaltprävention auf kommunaler Ebene und den Respekt vor den Kinderrechten geworben. Da die Veranstaltungen sehr spielerisch und unterhaltsam gestaltet waren, wurde dort viel gelacht und der Gemeinschaftssinn gestärkt. Die Erwachsenen sind nun besser über die Vorgänge in den Schulen und Gemeinden informiert und beobachten diese mit einem kritischen Auge.

Organisation und Fortbildung von Kindern und Jugendlichen
In sieben Workshops lernten jeweils 144 Kinder wichtige Lebenskompetenzen. Diese umfassten Module zu Selbstbehauptung in Unterhaltungen, Lebensplanung, Wissen über sich selbst, Gewaltprävention, Anspannungs- und Emotionskontrolle, Durchsetzungsvermögen und Empathie. Hauptziel der Workshops war es, in den Kindern kreative, kritische und emotionale Kräfte freizusetzen. Dafür hatten sie die Möglichkeit, in einem geschützten Raum offen und ohne Angst über die Situation der Kinder in Honduras und speziell in den Bordos zu diskutieren. Neben den vorgegebenen Themen tauschten sich die Kinder über ihre eigenen Erfahrungen, ihre Ängste und Hoffnungen aus. Durch diese Fortbildungen, aber auch durch andere Projektaktivitäten konnte zahlreichen Kindern und Jugendlichen die Bedeutung von Bildung als einem entscheidenden Mittel bewusst gemacht werden, um den schwierigen Lebensbedingungen zu entfliehen und grundlegende Menschenrechte wahrzunehmen. Einige von ihnen haben sich zudem zu Gruppen zusammengeschlossen, die Projektaktivitäten aktiv unterstützen und sich so für die Gemeinschaft einsetzen.

Stärkung lokaler Entscheidungsträger
Am Internationalen Tag der Kinderrechte im November nahmen über 300 Personen an einem „Marsch für Frieden und Respekt vor den Kinderrechten“ teil. Hierfür wurden die Menschen aus acht Bordos herbeigefahren, um öffentlich die Einhaltung der Kinderrechte einzufordern. An den Aktivitäten beteiligten sich auch Koordinatoren und Kirchenmitglieder der Bordos, die Mitarbeiter von CASM, Vorstände, Eltern und Erzieher sowie die Kinder aus den Bordos selbst. Diese sangen Losungen wie „Wir haben ein Recht auf ein Leben in Frieden mit kostenloser Ausbildung und Zugang zum Gesundheitswesen!“.

Schaffung von Räumen für Zusammenkünfte und zivilen wie politischen Dialog

Im Rahmen des Projektes konnten die Netzwerke öffentlicher Einrichtungen gestärkt werden, die sich mit der Thematik Kinder auseinandersetzen. Hierzu zählen die Sekretariate für Arbeit und für Gesundheit, Jugendgerichte, das honduranische Ministerium für Kindheit und Familie IHNFA, das Bildungsministerium von Cortés, das Sozialversicherungsamt, CARITAS und andere. Die Organisationen erarbeiteten gemeinschaftlich Ziele und Möglichkeiten, wie sie diese erreichen können. So organisierten sie beispielsweise gemeinsame Aktionen zum Internationalen Tag gegen Kinderarbeit. Die beteiligten Personen hatten zudem die Möglichkeit, an verschiedenen Fortbildungen teilzunehmen, etwa zum überarbeiteten Kinder- und Jugendkodex, zur Veränderung der Situation der im honduranischen Institut für Soziale Sicherheit betreuten Kinder und zu zentralen Themen wie sexuelle und reproduktive Gesundheit von jungen Menschen.

Herausforderungen bei der Umsetzung der Projektaktivitäten
Leider nahmen manche Eltern aufgrund persönlicher Verpflichtungen oder fehlenden Interesses nicht immer zuverlässig an den Programmaktivitäten teil. Darüber hinaus mussten einzelne geplante Aktionen aufgrund politischer Unruhen vor den Wahlen in der zweiten Jahreshälfte abgesagt werden. Wir arbeiten daher an einer umfassenden Strategie, um die örtlichen Organisationen und insbesondere lokale Schlüsselpersonen aktiv mit einzubeziehen und so die Erreichung der geplanten Projektziele sicherzustellen.

Weitere Planung
In den kommenden Jahren möchten wir unter intensivem Einbezug der Bevölkerung verstärkt auf politische Entscheidungsträger einwirken, damit diese Maßnahmen zur Gewaltprävention in den Bordos umsetzen. Ein weiteres zentrales Anliegen ist es uns, die Netzwerke zwischen den Institutionen, die sich für die Umsetzung der Kinderrechte einsetzen, zu verbessern und neue Allianzen mit Organisationen zu schließen, die über Erfahrung in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verfügen. Gleichzeitig möchten wir auch die bestehenden Organisationen in den Bordos stärken, damit diese sich aktiv für den Schutz von Kindern vor Gewalt einsetzen. Für Lehrer und Mitarbeiter aus den Gesundheitssektoren möchten wir Freiräume und Möglichkeiten schaffen um sich über Probleme bei der Umsetzung und Einhaltung der Kinderrechte und über die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche aus den Bordos auszutauschen.

Danke!
Liebe Patinnen und Paten, vielen Dank für Ihre wertvolle Unterstützung im vergangenen Jahr! Wir konnten dadurch die Bewohner der Bordos in grundlegenden Lebenskompetenzen stärken. So können sie sich vor Gewalt schützen und ihre Menschen- und Kinderrechte umsetzen. Menschen aus sozialen Randgruppen erlernen notwendige Fertigkeiten, um ein eigenes Geschäft zu eröffnen, sich dadurch ihren Lebensunterhalt zu sichern und geben mit ihren Erfolgen auch ihren Nachbarn und Freunden Hoffnung auf ein besseres Leben.