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Zwei Millionen Syrer im Libanon

Nicht nur an den Schulen sind die Flüchtlingskinder längst in der Mehrheit.

Libanon - Flüchtlingsfamilie Foto: Jakob StudnarzoomEine Flüchtlingsfamilie im Libanon. Foto: J. Studnar

Beirut: Der Libanon hat nach Jordanien und der Türkei die meisten der über vier Millionen Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen, wo der Bürgerkrieg im nunmehr fünften Jahr tobt. Die Vereinten Nationen zählen 1,5 Millionen Syrer in dem kleinen Land, inoffiziell ist von bis zu zwei Millionen die Rede. Dabei hat der Libanon, Land der Berge und Zedern, selbst nur noch 3,5 Millionen Einwohner – und sie werden weniger. Wer eben kann, jung ist und gut ausgebildet, sucht Arbeit im Ausland. Oder er flieht. Aus der eigenen Wirtschaftsmisere oder vor den Bomben des IS, die am 12. November auch die Hauptstadt Beirut erreichten. 40 Menschen starben.

Etwa jeder zweite Bewohner des Libanon ist inzwischen also ein Syrer, die meisten von ihnen sind Kinder. Arme Menschen sind das meist, die schon in Syrien nichts zu verkaufen hatten, um sich eine weitere Reise zu leisten, und die auch im Libanon wenig Hoffnung finden. Das Land leidet noch an den Folgen des eigenen Bürgerkriegs, es gibt keine Unterstützung für die Flüchtlinge, keine Unterkünfte. Wer registriert ist, bekommt allenfalls ein paar Libanesische Pfund oder amerikanische Dollar für Essen und Diesel zum Heizen von der UNO. Arbeit gibt es wenig, die Preise steigen, die Löhne sinken, die Touristen bleiben aus, man fürchtet um das fragile Gleichgewicht der Religionen.

An die Schulen drängen längst mehr syrische als einheimische Kinder, die sind damit überfordert. In diesem Jahr hat das Bildungsministerium den lange versprochenen Zwei-Schicht-Betrieb eingeführt, in der Gebirgsregion Chouf allerdings nur an vier Schulen. Nachmittags kommen jetzt die syrischen Kinder. Viele indes kommen auch nicht: Sie wohnen in entlegenen Bergdörfern, das Geld für den Schulbus fehlt.

Auch im Libanon leben nun Menschen, die davon träumen, weiterzuziehen nach Europa. Geographisch aber ist der Libanon umrahmt von Syrien, wer weg will, muss über das Mittelmeer. Von dem Geld, das manche Väter als Tagelöhner verdienen, können ihre Familien kaum überleben. Und je länger der Konflikt dauert, desto weniger wird die Hoffnung auf eine Rückkehr in die Heimat.

Von Annika Fischer, WAZ-Reporterin

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