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Schutz von Kindern vor sexueller Gewalt

Bolivien ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Offiziellen Zahlen zufolge sind ca. 20% der Bevölkerung arbeitslos, doch ein weitaus grösserer Teil der Menschen verdient kaum das Nötigste zum Überleben, arbeitet als Tagelöhner - ohne ein festes Einkommen - und ohne Zugang zu den staatlichen Sozialversicherungssystemen (von denen weniger als die Hälfte der Bolivianer profitieren). Grosse Defizite gibt es auch im Bereich des Schul- und Gesundheitswesens. Arme Familien in Bolivien sind zumeist kinderreich.  Aufgrund des vorherrschenden Machismo werden viele Mütter von ihren Partnern verlassen und müssen alleine als Haushaltshilfe oder „fliegende Händlerin“ für den Unterhalt ihrer Kinder aufkommen.

Bolivien 2015 Foto: Jürgen SchübelinzoomFoto: J. Schübelin

Arme Familien haben im Durchschnitt fünf Mitglieder und leben meist in einem, maximal zwei winzigen Räumen, in denen sich mehrere Personen ein Bett teilen. Fliessendes Wasser, Anschluss an die Kanalisation und sanitäre Anlagen gibt es kaum. Auf dem Land und in den Armenvierteln der Städte haben die wenigsten Menschen einen Stromanschluss.

El Alto ist mit ca. 850‘000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt Boliviens. Sie gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten der Welt. Zum einen, weil die zum grössten Teil indigene Bevölkerung (Aymara und Quechua) traditionell aus Grossfamilien besteht, aber auch, weil der Zuzug von Landflüchtlingen, die auf der Suche nach besseren Lebensumständen in die Stadt ziehen, seit Jahren nicht abbricht. Etwa 77% der Bevölkerung ist jünger als 24 Jahre alt. Die Einwohnerzahl der Stadt ist in den letzten beiden Jahrzehnten auf das Doppelte angestiegen. Als Vorstadt von La Paz entstanden, ist El Alto heute eine Stadt für sich.

Die Masse der arbeitsuchenden Bevölkerung übersteigt die Aufnahmefähigkeit des Arbeitsmarktes. Daher sind in El Alto Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit weit verbreitet. Sie gehört zu den ärmsten Städten der Region. In Bolivien selber leben mehr als 70% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Die wirtschaftliche Not der Familien ist vielfach der Grund dafür, dass Mädchen und Jungen vorzeitig den Schulbesuch abbrechen und, statt zu lernen, zum Familieneinkommen beitragen müssen. Die grosse Armut führt jedoch nicht nur zu einer hohen Zahl arbeitender Kinder, sondern trägt auch zu Alkoholmissbrauch, einem Anstieg der Kriminalitätsrate und der Zerrüttung von Familien bei. Die Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Frauen ist hoch. Sowohl in der Familie als auch im schulischen Umfeld ist Gewalt allgegenwärtig. Ganz besonders benachteiligt sind in Bolivien Kinder und Jugendliche mit Behinderungen. Sie sind von der Gesellschaft ausgeschlossen und treten im öffentlichen Raum kaum in Erscheinung.

Strassenkinder 2015 Foto: Projektpartner/ Maya Paya Kimsa

Strassenkind Foto: Kindernothilfe

Das Thema der sexuellen Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen wird in Bolivien noch immer weitgehend tot geschwiegen. 70% der Missbrauchsfälle werden innerhalb der Familie verübt. Aufgrund der hohen Dunkelziffer können die Daten nur hochgerechnet bzw. geschätzt werden. Die Polizei und die Kindesschutzstellen leiden unter drastischen Personalmangel. Viele Fälle können deshalb nicht bearbeitet werden oder werden gar nicht erst erkannt. Kommt es zu einem Verfahren, werden nur 0,2% der Prozesse zu Ende geführt, von denen wiederum 50% auf einen Freispruch hinauslaufen.

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