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Brasilien - Gegen die Gewalt

Harte Kindheit in den Armenvierteln

Schläge, Strafen, Drohungen, Demütigungen: All das kennt Marco von klein auf. Die Gewalt kann überall und jederzeit ausbrechen: in der Familie, auf den Strassen der Favela, zwischen den Eltern, gegenüber den Kindern. Schon Marcos Eltern sind so aufgewachsen und haben das Erlebte an ihren Sohn weitergegeben. Seit kurzem hat Marco (13) seine erste Freundin. Wie wird er sie behandeln?

Schübelin Brasilien Magazin 2-2014 (Quelle: Jürgen Schübelin)zoomKinder aus einer Favela. Foto: Jürgen Schübelin

Neun von zehn brasilianischen Jugendlichen gaben in einer Studie an, dass sie in ihrer Beziehung schon Gewalt erlebt haben. Traditionelle Rollenbilder sorgen dafür, dass Männer nach wie vor meist über Sex und Verhütung entscheiden. So kommt es, dass schon Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren Kinder bekommen. Noch häufiger sind junge Mütter zwischen 15 und 19 Jahren. Zu früh aus der eigenen Kindheit hinauskatapultiert, haben viele dieser Mädchen kaum mehr als die Grundschule abgeschlossen.

Keine Bildung, keine Zukunft

Ein Drittel der Jugendlichen bis 16 Jahre in Rio de Janeiro hat nicht einmal 8 Schulklassen. Die frühen Schulabbrecher haben kaum Chancen auf einen Arbeitsplatz. Und sie haben wenig Zugang zu Informationen, die ihr Leben ändern könnten: Wie halte ich mich gesund? Wie kann ich meine Wünsche anders durchsetzen als mit Gewalt? Wie kann ich etwas aus meinem Leben machen?

So hilft das Projekt vor Ort

„Sport treiben, im Leben siegen!“ So heisst das gut durchdachte Projekt, das 260 Mädchen und Jungen aus den Favelas von Rio eine Perspektive gibt.

Se Essa Rua Fosse Minha (Quelle: Jürgen Schübelin)zoomFussball Training in einer Favela in Rio. Foto: Jürgen Schübelin


Sportkurse:
Fussball, Volleyball, Basketball oder der brasilianische Kampftanz Capoeira: In Sportkursen und Turnieren bauen die Teilnehmer Aggressionen ab, üben Fairplay, erleben Gemeinschaft im Team, lernen, ihrem sportlichen Gegner respektvoll gegenüberzutreten. Und zeigen schliesslich, nicht nur beim Sport, der Gewalt die Rote Karte! Über die Sportkurse öffnen sich die Jugendlichen dann auch für die anderen Anliegen des Projekts: Aufklärung und Bildung.

Aufklärung: Eine Krankenschwester ist bei Sportverletzungen zur Stelle, klärt die  Mädchen und Jungen aber auch über Ernährung, Hygiene, Körperpflege, Alkohol und Drogen auf. In einem geschützten Rahmen befassen sich die Kinder und Jugendlichen ausserdem in Workshops mit Sexualität, Verhütung, Pubertät und Partnerschaft. Mädchen und Jungen hinterfragen Rollenbilder, sprechen über sexuelle Gewalt. Sie erarbeiten sich die Erkenntnis, dass jeder das Recht hat, Nein zu sagen. Auf sich selbst zu achten ist der erste Schritt. Die Wünsche anderer zu achten ist der zweite Schritt. Auch die Eltern werden einbezogen, u.a. mit Fortbildungen zu Erziehungsfragen.

Bildung: Nachhilfeunterricht, Leseförderung und Konzentrationsübungen. Diese Projekt-Bausteine ebnen Wege aus der Armut. Die Kinder spüren ihre Talente, Interessen und Berufsziele auf. All das mehrt ihr Selbstbewusstsein und ihre Lebenschancen.

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