Kindernothilfe Schweiz

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Gewaltprävention und Zugang zur Bildung

Allgemeine Informationen und vorbereitende Aktivitäten

Honduras ist eines der ärmsten Länder Lateinamerikas und geprägt von Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Unterernährung und Analphabetentum. Regelmässig erleben Kinder und Jugendlichen, in Entscheidungen werden sie kaum einbezogen. Besonders prekär ist die Situation in den „Bordos“ (Armenviertel) der Industriestadt San Pedro Sula. Kinder und Jugendliche können kaum der Gewalt und Armut entkommen und sind schlechtesten hygienischen Bedingungen ausgesetzt. Es fehlt an Ausbildungs-, Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten. So fliehen nicht wenige in den Drogenkonsum und in kriminelle Banden. Die Organisation CASM setzt bei ihrem Kampf gegen die hohe Gewalt in den fünf Bordos auf die Gründung von Jugendvertretungen, Sensibilisierungen zu Kinderrechten und auf ganzheitliche Bildungsangebote. Durch die Zusammenarbeit mit örtlichen Organisationen sollen auch langfristig die Lebensbedingungen der Bevölkerung verbessert werden.

Slum in Honduras (Foto: Jürgen Schübelin)zoomSuche nach Verwertbarem, Foto: J. Schübelin

 

Zugang zu formaler und non-formaler Bildung

In drei Zeltlagern für 90 Kinder und Jungeldliche wurden Übungen durchgeführt, um sich selbst besser kennen zu lernen, sich in andere besser einzufühlen, stabile Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, mit Spannungen und Emotionen umzugehen und Konflikte konstruktiv zu lösen. Weiterhin wurden sie über Kinderrechte aufgeklärt und ihr kreatives und kritisches Denken ebenso wie ihre Lernmotivation gefördert.

Einen besonderen Erfolg stellen die Praktikumsstellen dar, die einige Firmen mittlerweile für Jugendliche anbieten. Gerade aufgrund ihrer Herkunft aus den Bordos wurden sie bei Bewerbungen bislang meist abgelehnt. CASM sensibilisierte die Firmen für die Schwierigkeiten und Bedürfnisse der Jugendlichen und führte gleichzeitig die Jugendlichen an die Herausforderungen der Arbeitswelt heran. Die Jugendlichen erfüllt es mit grossem Stolz, während ihres Praktikums ihre technischen Fähigkeiten und Begabungen unter Beweis zu stellen.

Gesundheitswesen

In den Bordos fehlt es an Gesundheitszentren. Daher wurden 30 Jugendliche und Erwachsene durch Feuerwehrmänner in Erste-Hilfe-Massnahmen im Bereich Erkennung lebensbedrohlicher Zustände, Verbrennungen, Schocks und Erstickungsanfällen ausgebildet. Aufgrund der brandunsicheren Zustände der Kabelsysteme in den Bordos lehrten die Feuerwehrmänner in einem weiteren Kurs auch Methoden der Brandprävention und der Evakuierung im Brandfall. Dabei wurden auch Verantwortlichkeiten benannt und ein Bürgerschutzkomitee gebildet.

Ernährung, Hygiene und sanitäre Versorgung

Die Menschen in den Bordos leiden unter den prekären hygienischen Bedingungen, die durch den müllverseuchten Fluss noch verschärft werden. Daher organisierte CASM fünf Gesundheitskampagnen, bei denen sie 850 Personen für grundlegende Hygienemassnahmen sensibilisieren konnten. Ein grosser Erfolg der Einflussnahme auf lokale Politiker war auch die Eröffnung von drei Gesundheitszentren, durch die die Menschen einen besseren Zugang zu Ärzten und lebensnotwendigen Medikamenten haben.

Um die allgemeine Hygienesituation zu verbessern, wurden drei Reinigungskampagnen durchgeführt. Durch diese konnten die Bewohner der Bordos gemeinsam die vorherrschende Ungeziefer-Plage eindämmen. Weiterhin wurden im vergangenen Jahr 32 Toiletten in Wohnhäuser eingebaut. Dadurch sollte die häusliche Hygiene verbessert und Darminfektionen vorgebeugt werden. 180 Familien erhielten zusätzlich einen grossen Wasserkanister, in dem sie sauberes Trinkwasser lagern können.

Reduzierung und Prävention innerfamiliärer Gewalt


InIn den fünf Bordos des Projektes bot CASM 17 Fortbildungen für sozial gefährdete Jugendliche an. Dort lernten sie unter anderem, Werte für ihr Leben zu definieren und erfuhren über Möglichkeiten, um sich vor AIDS und anderen Sexualkrankheiten zu schützen.

Besonderen Anklang fanden auch Freilichtkinos, die in jedem Bordo vorgeführt wurden. Durch die Aufführungen wurden die Menschen für ein positives Sozialverhalten sensibilisiert und erfuhren, wie hilfreich das Stecken eigener Lebensziele sein kann. Ein Spieletag für Jung und Alt diente weiterhin dafür, das harmonische und respektvolle Miteinander in den Familien auf spielerische Weise zu fördern. Durch die Aktionen konnten insgesamt 500 Personen mit viel Spass und Freude erreicht werden.

Gemeindeorganisation, Lobby- und Advocacy-Arbeit

Die Partnerorganisation CASM ist sehr darum bemüht, mit staatlichen Einrichtungen des öffentlichen Lebens zusammenzuarbeiten. Der Staat soll seiner Fürsorgepflicht gegenüber den Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern nachkommen und langfristige Veränderungen in die Wege leiten. So möchte CASM beispielsweise Reformen in Bildungsangeboten und Lehrmethoden in Kindergärten, Vorschulen und weiterführenden Schulen anstossen, die Jugendliche anschliessend den Zugang zu einer angemessenen Ausbildung erleichtern. Als ein Erfolg kann sicher gewertet werden, dass mittlerweile das Amt eines Staatssekretärs für Bildung und Gesundheit eingerichtet wurde. Ein weiterer Teil des Engagements von CASM konzentrierte sich auf die Schullehrer und Schüler selbst. So besuchten die Projektmitarbeiter fünf staatliche Schulen, an denen sie beide Gruppen für Kinderrechte und Kindesschutz sensibilisierten.

Die hohe Gewalt erschwert die Arbeit im Projekt

Eine besondere Herausforderung ist das hohe Mass an vorherrschender Gewalt. Dies beeinflusst bereits gravierend die Arbeit von CASM, da diese nur mit spezieller Kennzeichnung ihrer Mitarbeiter in die Projektgebiete gehen können. Bei aufkommender Dunkelheit müssen sie aus Sicherheitsgründen wieder die Bordos verlassen haben. Zwar wurde der Projektarbeit noch nicht gravierend beeinträchtigt, die Arbeit bedeutet jedoch eine ständige psychologische Herausforderung für die Mitarbeiter von CASM. Die Gewalt führte im vergangenen Jahr zuletzt dazu, dass der Staatssekretär für Gesundheit sich gezwungen sah, als Vorsichtsmassnahme einen Arzt aus einem Bordo abzuziehen.