Kindernothilfe Schweiz

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Selbsthilfegruppen - Hoffnung für die Ärmsten

Wie entsteht eine Selbsthilfegruppe?
Ganz gezielt gehen die Mitarbeiter die Kindernothilfe auf die ärmsten Frauen eines Dorfes zu und laden sie ein, Mitglied in einer Selbsthilfegruppe zu werden. Bei den ersten Treffen definieren die Frauen selbst das Ziel und die Vision ihrer Gruppe, stellen Regeln auf und legen fest, wann ihre Treffen stattfinden. Zusammen überlegen sie sich einen Namen für ihre Gruppe. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gruppenidentität ist für den Erfolg der Projekte essentiell: Die Frauen teilen ihre Ängste und Sorgen miteinander, helfen und besuchen einander und lernen, anderen zu vertrauen. Durch die Unterstützung der Gruppe fühlen sie sich selbstbewusster, als Teil der Gemeinschaft und weniger machtlos.

SHG Bildergeschichte (Quelle: Wallemann, Susanne)zoombilduntertext

 

 

 

 

 

 

 

In der Selbsthilfegruppe lernen die Frauen, Geld zu sparen. Welcher Betrag pro Woche gespart werden soll oder wie die Mitgieder sich gegenseitig unterstützen, wenn z.B. eine Frau krank wird und Hilfe braucht, wird während der Treffen besprochen und in einem Protokoll festgehalten. Im Laufe der Zeit nehmen die Frauen an vielfältigen Schulungen teil: Sie lernen verbesserte Anbaumethoden, informieren sich über Ernährung und Gesundheitsvorsorge und werden über Kinderrechte, Erziehung und HIV/Aids aufgeklärt. Workshops zu Themen wie Gruppendynamik, Konfliktlösung und Buchhaltung runden das Programm ab.

SHG Bildergeschichte (Quelle: Wallemann, Susanne)zoombilduntertext

 

 

 

 

 

 

 

Sparen für eine neue Lebensgrundlage
Seit Francine regelmässig die Selbsthilfegruppe besucht, hat sich in ihrem Leben viel verändert. Einmal pro Woche trifft sie sich mit rund 15 anderen Frauen: zum Reden, zum gegenseitigen Mutmachen und Geldsparen. Das Prinzip ist simpel: Jede Frau legt wöchentlich etwa 50 Rwanda Francs zurück, das ist umgerechnet etwa 1 Cent. Ein kleiner Betrag, doch mit 15 Cent lässt sich schon viel bewegen. Das Gesparte wird auf ein gemeinsames Bankkonto eingezahlt. Schon nach vier bis sechs Wochen können die Frauen mit Hilfe der Ersparnisse den ersten Klein-Kredit übernehmen, der reihum verliehen wird. Francine hat sich davon fünf Hasen gekauft, die sich schnell vermehrten. Auf dem Markt verkaufte sie einige und erwarb dafür Hühner. Auch mit dem Verkauf von Eiern verdiente sie Geld. Schon bald konnte sie den Kredit zurückzahlen. Inzwischen hat Francine gelernt, wie sie Gemüse anbaut. Mit den Erzeugnissen kann sie ihre Kinder gut ernähren. Was übrig bleibt, verkauft sie auf dem Markt.

Wallemann SHG Zeichnungenzoombilduntertext

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Kinder stehen im Mittelpunkt
Alles, was die Frauen in den Gruppen lernen, wirkt sich unmittelbar auf die Kinder aus: Von dem gesparten Geld kann Francine die Schulgebühren für ihre Kinder bezahlen. Endlich können sie regelmäßig am Unterricht teilnehmen und haben so die Chance, ihr Leben später in die eigenen Hände zu nehmen. Francine kann durch das selbst angebaute Gemüse ihre Kinder gesund ernähren und ihnen eine medizinische Versorgung bieten.

Aktiv Einfluss nehmen
Gemeinsam können die Frauen wichtige Anliegen umsetzen, die sie alleine nie schaffen würden: Eine einzelne Witwe würde kein Gehör beim Dorfvorsteher finden. Doch eine Witwe, die als Vertreterin einer Selbsthilfegruppe in ihrem Dorf rund 200 Frauen repräsentiert, kann zum Beispiel den Bau einer Schule bewirken. Jede Gruppe wählt ein bis zwei Mitglieder aus, die in den übergeordneten Interessenvertretungen der Selbsthilfegruppen (sog. "Cluster Level Associations") die Bedürfnisse der Gruppe vertreten. Mit Hilfe der "Cluster Level Associations" können die Frauen das Dorfleben aktiv mitgestalten: Die Vertreterinnen organisieren Trainings, Workshops oder Info-Veranstaltungen über HIV/Aids und initiieren neue Ideen in ihren Dörfern, z.B. Energiesparöfen, die weniger Feuerholz brauchen.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist der Zusammenschluß der Selbsthilfegruppen in "Föderationen": Diese rufen selbst Projekte ins Leben und sprechen Förderer an, die sie unterstützen. Mit vielen Mitgliedern und Gruppen lassen sich auch politische Veränderungen anstossen und so die strukturellen Ursachen von Armut bekämpfen.

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Ein Weg aus der Armut
So wie in Ruanda fördert die Kindernothilfe auch in vielen anderen Ländern Selbsthilfegruppen, um die Ärmsten der Armen zu erreichen. Oft werden gerade die Bedürftigsten von der Dorfgemeinschaft ausgegrenzt: Witwen, Waisen oder Familien mit behinderten Kindern. Die Ärmsten der Armen haben meist keinen Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, kennen kaum landwirtschaftliche Anbaumethoden, um sich selbst zu versorgen. Ihr Leben ist geprägt von dem täglichen Kampf ums Überleben. Besonders Kinder leiden unter dieser Situation: Sie wachsen mit dem Gefühl der Hoffnungs- und Perspektivlosigkeit auf und haben kaum Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben. Der Selbsthilfegruppen-Ansatz verspricht nachhaltige Erfolge. Das hat eine Vielzahl bereits bewiesen.