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Selbsthilfegruppen- zum Wohle der Kinder

Der Selbsthilfegruppen-Ansatz

Im Selbsthilfegruppen-Ansatz wird gezielt auf die ärmsten Frauen eines Dorfes zugegangen. Als Mitglied einer Selbsthilfegruppe erfahren sie häufig zum ersten Mal Gemeinschaft. Die Frauen lernen, dass sie keine isolierten, machtlosen Individuen sind und dass andere die gleichen Probleme haben. In der Gemeinschaft erfahren sie gegenseitige Unterstützung und können mit einer stärkeren Stimme auf ihre Probleme aufmerksam machen.

Sie teilen ihre Sorgen und Ängste miteinander, helfen und besuchen sich gegenseitig, machen sich Mut und lernen, einander zu vertrauen. Das sind für sie ganz wesentliche Grunderfahrungen, die das Selbstvertrauen stärken und die weitere Entwicklung nachhaltig fördern. Dies schafft ihren Kindern ein sicheres Lebensumfeld.

Wie funktioniert der Selbsthilfegruppen-Ansatz?

Der Selbsthilfegruppen-Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch Stärken und Fähigkeiten hat. Die Schaffung eines positiven Umfelds bringt dies zur Entfaltung und ermöglicht ein Leben in Würde. Die Mitglieder können zu aktiven Mitwirkenden ihrer Gemeinschaft werden und sich nicht mehr passive Empfänger von Almosen. Sie, die als Einzelpersonen, kaum eine Stimme hatten und sich machtlos und verletzlich fühlten, können in Selbsthilfegruppen Stärken entwickeln. Eine Witwe, die als Vertreterin der Selbsthilfegruppen in ihrem Dorf 150-200 Frauen repräsentiert, kann die Verbesserung der Wasserversorgen in ihrer Dorfgemeinschaft oder den Bau einer Schule bewirken. Nicht ein einzelnes Kind wird gefördert, sondern die Frauen bauen selbst einen Gemeinschaftskindergarten.

Die drei Phasen des Selbsthilfegruppen-Ansatzes

Bevor mit der Umsetzung des Selbsthilfegruppen-Ansatzes in einem Gebiet begonnen wird, wird das Konzept lokalen Führungspersonen wie Dorfvorstehern und Bürgermeistern in den Dörfern vorgestellt, um Sie als Befürworter des Selbsthilfegruppen-Ansatzes zu gewinnen. Dies sichert den späteren Erfolg.

Der Selbsthilfegruppen-Ansatz baut auf soziale, wirtschaftliche und politische Stärkung (Empowerment) der Menschen:

1. Gründung einer Selbsthilfegruppe

2. Gründung von weiteren Selbsthilfegruppen und Clustern (übergeordnete Gruppe)

3. Gründung einer übergeordneten Föderation und Rückzug der Organisation, die den Aufbau der Gruppen betreut hat.

Die beteiligten Frauen und ihre Familien werden sozial, wirtschaftlich und politisch gestärkt. Sie lernen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Dadurch verbessern sie das Lebensumfeld ihrer Kinder.

Auswirkungen auf die Situation der Kinder

In allen Ländern stehen die Kinder im Mittelpunkt. Das Augenmerk liegt auf der Verbesserung der Situation der Kinder (verbesserte Ernährung, Gesundheitsversorgung, Wohn- und Familiensituation und Zugang zur Schulbildung).

Die Familiensituation verändert sich positiv, es gibt weniger Konflikte zwischen den Eltern, das Familieneinkommen ist gesichert, es wird weniger Alkohol getrunken und Konflikte werden friedlich statt mit Gewalt gelöst. Der Zugang zur medizinischen Versorgung ist gewährleistet.

 

SHG Bildergeschichte, Foto: Wallemann, Susannezoombilduntertext

 

Der Selbsthilfegruppen-Ansatz im Detail:

1. Phase

In einem ersten Schritt werden die Ärmsten der Armen in einer lokalen Gemeinschaft identifiziert und eingeladen, Mitglied einer Selbsthilfegruppe zu werden. Die Gruppen werden in Gruppendynamik, Konfliktlösung, demokratische Entscheidungsprozess und Grundzüge der Buchhaltung geschult. Die Treffen haben einen festgelegten Ablauf. Zu Beginn werden sie intensiv begleitet.

Jede Gruppe entwickelt mit der Zeit eigene Visionen, entwickeln ihre eigenen Regeln, legen fest wo sie sich treffen und was gemacht wird, wenn ein Mitglied unentschuldigt einem Treffen fern bleibt. Sie bestimmen welcher Betrag jede Woche gespart werden soll und welche Gemeinschaftsprojekte sie durchführen wollen. Wie sie ein Mitglied deren Kind krank geworden ist, unterstützen (gemeinsames Umgraben des Feldes, Reparatur des Hauses, Kredit ohne Zins für medizinische Behandlung etc.).

Von dem ersparten Geld kann ein Mitglied einen kleinen Kredit für eine Einkommensschaffende Massnahme (für einen kleinen Gemüsestand, die Zucht von Hühnern und Kaninchen etc.) erhalten.

Die Regel für die Kreditvergabe bestimmt die Selbsthilfegruppe. Ein Kredit kann ebenfalls aufgrund von finanziellen Engpässen für Nahrung, Schulgebühren oder medizinische Versorgung der Kinder aufgenommen werden. Oft werden für Notfall-Kredite keine oder nur geringe Zinsen verlangt, um zu verhindern, dass die Mitglieder in Notfällen noch weiter ins Elend gestürzt werden.

Davon profitieren die Kinder: Für Kinder aus armen Familien ist Schulbildung unerreichbar. Es fehlen die finanziellen Ressourcen oder die Kinder müssen auf dem Feld oder im Haushalt helfen.

Beschlüsse werden in Protokolle festgehalten. Dies soll rotationsmässig von allen Gruppen-mitgliedern übernommen werden. Häufig können dies nur diejenigen übernehmen, die lesen und schreiben können. In Alphabetisierungskursen lernen sie lesen und schreiben. Nun können sie Strassenschilder selber lesen und sich Informationen beschaffen. Die neuen Kenntnisse eröffnen ihnen eine neue Welt. Dies verstärkt ihre Bemühungen ihren Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen.

2. Phase

Nach ungefähr sechs Monaten, wenn die Gruppen etabliert sind, werden Clusters gegründet. Diese vernetzen die Selbsthilfegruppen miteinander und kümmern sich um Anliegen, die die Gruppen nicht alleine angehen können. Jede Selbsthilfegruppe wählte zwei Vertreterinnen in ein Cluster. Jedes Cluster vertritt zehn Selbsthilfegruppen, also mindestens 150 bis 200 Frauen und deren Familien.

Die Clusters werden Ansprechpartner für die lokalen Behörden. Sie kümmern sich um Impfkampagnen für Kinder oder organisieren Aidsaufklärungsseminare. Sie fördern eine breite Gemeinschaftsentwicklung, wie der Familienplanung, Gesundheitsvorsorge für Kinder, Kinderbetreuung, Wasserversorgung und Schulbau.

Die zweite Phase dauert zwei Jahre.

3. Phase

Nach vier Jahren wird eine Föderation gegründet. Sie baut auf gefestigte Selbsthilfegruppen und Cluster-Strukturen auf. Hier beginnt die politische Stärkung. Jedes Cluster zwei Mitglieder. Eine Föderation besteht aus mindestens zehn Clusters, repräsentiert 100 Selbsthilfegruppen mit 1‘500 bis 2‘000 Mitgliedern und ihren Familien. Sie übernimmt die administrativen Aufgaben und dient als Sprachrohr für die grosse Zahl von Menschen.

Ihre Hauptaufgabe sind Advocacy-Arbeit und Lobbytätigkeiten. Sie regelt die Abwicklung der Finanzen, Projektanträge und Anfragen Behörden zur Unterstützung von Gemeinschaftsförderung. Sie kümmern sich um Probleme, die für die ganze Region von Bedeutung (Wasserversorgung, Bildungsangebote für Kinder) sind.

Während Selbsthilfegruppen Anliegen durch praktische Umsetzung angehen kümmert sich die Föderation um deren Vorantreibung auf politischer Ebene. Bei allen Entscheiden müssen die Selbsthilfegruppen zustimmen. Die Föderation finanziert sich aus eigenen Mitteln während die Clusters und Selbsthilfegruppen sich durch Mitgliedsbeiträge finanzieren.