Kindernothilfe Schweiz

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Die Einzelnen Ziele

MDG 1: Halbierung von Hunger und Armut

Worum geht es?
Wer weniger als 1.25 USD a
m Tag zur Verfügung hat, leidet laut UN-Definition unter extremer Armut. Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben müssen, wie auch die Anzahl derer, die Hunger leiden, soll halbiert werden.

Stand der Umsetzung:
Im Zeitraum von 1990 bis 2005 ist der Anteil der Menschen in extremer Armut von 41,7 auf 25,2 Prozent gesunken. Bis 2015 soll er weiter auf 18,5 Prozent zurückgehen. Damit sei es laut Weltbank realistisch, die Halbierung der extrem Armen zu erreichen. Gleichzeitig schätzt die Weltbank, dass infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise bis Ende 2010 zusätzlich 64 Millionen Menschen in extremer Armut leben müssen. Und selbst wenn das Ziel erreicht wird, den Anteil der extrem Armen zu halbieren, so werden 2015 immer noch ca. 1,13 Milliarden Menschen in extremer Armut leben.

Die Zahl der Menschen, die unter chronischem Hunger leiden, stieg 2009 auf einen historischen Höchststand von 1,02 Milliarden an, vor allem auch infolge der globalen Ernährungskrise im Jahr 2008. Die Ursachen der Ernährungskrise sind vielfältig: Eine wachsende Nachfrage nach Fleischprodukten infolge veränderter Konsumgewohnheiten, Bevölkerungswachstum, zunehmende Verstädterung sowie die wachsende Nachfrage nach Biotreibstoffen tragen dazu bei, dass Grundnahrungsmittel massiv teurer, und damit unbezahlbar für die Armen, geworden sind.

Kinder sind in besonderem Masse von Hunger und Unterernährung betroffen. Der Anteil der unterernährten Kinder (unter fünf Jahren) lag 2008 bei 26 Prozent. In vielen Ländern ist jedes dritte Kind untergewichtig. Allein in Indien lebt ein Drittel der unterernährten Kinder.

MDG 2: Grundbildung für alle

Worum geht es?
Bildung ist ein Menschenrecht. Trotzdem können viele Kinder nicht einmal die Grundschule besuchen. Gründe dafür können neben der Armut der Eltern auch Krankheit und gesellschaftliche Strukturen, die z.B. Frauen und Mädchen benachteiligen, sein. Doch wer nicht einmal über eine Grundschulbildung verfügt, kann sich nur schwer aus der Armut befreien und ein selbstbestimmtes Leben führen. Deshalb soll 2015 jedes Kind in die Grundschule gehen.

Stand der Umsetzung:
Zwischen 1999 und 2007 sank die Zahl der Kinder, die nicht zur Schule gehen, weltweit um 30 Prozent auf 72 Millionen. Diese Fortschritte reichen jedoch nicht aus, um alle Kinder in die Schule zu bringen. 2015 würden bei gleich bleibender Anstrengung immer noch ungefähr 56 Millionen Kinder nicht in die Schule gehen. Die grössten Defizite bestehen in Subsahara-Afrika, wo im Jahr 2007 32 Millionen Mädchen und Jungen nicht zur Schule gingen. Auch hier sind die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht zu übersehen: Den Regierungen der Entwicklungsländer standen nach Schätzungen der UNESCO 2009 infolge der Krisen 4,6 Milliarden USD weniger für ihre Bildungsausgaben zur Verfügung. Bei Klassengrössen von bis zu 90 Schülern pro Lehrer geben Einschulungsquoten zudem nur wenig Auskunft über die Qualität der Ausbildung.

MDG 3: Gleichberechtigung der Geschlechter

Worum geht es?
Mädchen und Frauen haben weltweit immer noch schlechtere Lebenschancen. So sind 70% aller armen Menschen Frauen. Um das zu ändern, müssen Mädchen und Frauen gleichberechtigt an Bildung teilhaben können. Denn Bildung hilft ihnen, ihre Familie zu planen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, selbstbestimmt zu leben und gleiche Rechte einzufordern. Daher sollen alle Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern im Grundschulbereich und auf allen anderen Bildungsebenen bis 2015 beseitigt werden.

Stand der Umsetzung:
Knapp zwei Drittel der Entwicklungsländer haben das bis 2005 gesteckte Ziel der Geschlechtergleichstellung bei der Einschulung erreicht. Setzt sich der aktuelle Trend fort, so werden die meisten afrikanischen Länder die Geschlechter-Gleichstellung in der Grundschulbildung bis 2015 erreichen. Gleichzeitig sind aber zwei Drittel der über 750 Millionen Analphabeten Frauen und Mädchen. Insbesondere in Westasien, Südasien und Subsahara-Afrika haben nach wie vor weitaus weniger Mädchen als Jungen Zugang zu Sekundärbildung.

MDG 4: Kindersterblichkeit um zwei Drittel senken

Worum geht es?
Täglich sterben Kinder, obwohl die Welt es verhindern könnte. Die Ursachen hierfür sind z.B. Hunger, schlechte hygienische Bedingungen und vermeidbare oder heilbare Krankheiten. Das soll sich ändern.

Stand der Umsetzung:
Die Kindersterblichkeit ist in den vergangenen 20 Jahren zwar weltweit gesunken, aber nicht schnell genug, um das Ziel, die Kindersterblichkeit um zwei Drittel zu senken, bis 2015 zu verwirklichen. Jährlich sterben derzeit neun Millionen Kinder unter fünf Jahren, zumeist an Unterernährung oder an Krankheiten, die grösstenteils vermeidbar wären. Hierzu gehören vor allem Durchfall, Lungenentzündung, Malaria oder Masern. Im südlichen Asien und in Subsahara-Afrika sterben im Durchschnitt 15 Prozent der Kinder vor ihrem fünften Geburtstag.
Die Reduzierung der Kindersterblichkeit steht in enger Beziehung mit der Umsetzung anderer Millenniumsziele, wie der Alphabetisierungsrate der Frauen, der Verbreitung von HIV/Aids und anderen ansteckenden Krankheiten, Hunger und Unterernährung, dem Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen, sowie der Müttersterblichkeit. Fortschritte bei der Verwirklichung dieser Millenniumsziele helfen, auch die Kindersterblichkeit zu reduzieren.

MDG 5: Reduktion der Müttersterblichkeit um drei Viertel

Worum geht es?
In vielen Entwicklungsländern haben werdende Mütter oft nur unzureichenden oder gar keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Dazu kommt, dass Mädchen und junge Frauen oft schon sehr früh heiraten und auch früh schwanger werden. Schwangerschaften und Entbindungen können so lebensgefährlich werden und viele Kinder müssen ohne Mutter aufwachsen.

Stand der Umsetzung:
Jede Minute stirbt eine Frau aufgrund von Komplikationen bei der Schwangerschaft oder der Entbindung. Laut der WHO ist dies das Millenniumsziel, dessen Umsetzung am meisten gefährdet ist. Weltweit starben 2008 noch immer knapp 350.000 Frauen während der Schwangerschaft oder der Entbindung. Nach Weltbankprognosen werden 45 Länder dieses Millenniumsziel voraussichtlich nicht erreichen. Vor allem in Subsahara-Afrika und im südlichen Asien sind die Todesfälle unter Schwangeren und Müttern besonders hoch. Ist ausgebildetes Pflegepersonal bei der Geburt anwesend, werden Frauen während der Schwangerschaft medizinisch betreut und gibt es Möglichkeiten zur Familienplanung, lässt sich die Müttersterblichkeit massgeblich reduzieren.

MDG 6: Kampf gegen HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten

Worum geht es?
Viele Menschen sterben nach wie vor an den Folgen von Aids. Weltweit müssen 17,5 Millionen Kinder als Aids-Waisen aufwachsen, 80 Prozent davon in Subsahara-Afrika. Viele von ihnen kommen schon mit dem Virus zur Welt und haben so kaum eine Chance in ihrem Leben. Auch Malaria, Tuberkulose und andere vermeid- oder heilbare Krankheiten fordern jedes Jahr viele Opfer.

Stand der Umsetzung:
Auf der einen Seite wurden in vielen Ländern bei der Behandlung von HIV/Aids, der Prävention von Malaria und der Reduzierung der Zahl der Tuberkulose-Toten Fortschritte erzielt. Auf der anderen Seite ist die Verbreitung von HIV/Aids noch nicht gestoppt, den jährlich infizieren sich mehr als zweihundert Millionen Menschen neu an Malaria und die Zahl der Tuberkuloseinfektionen steigt weiter an.
Im Jahr 2008 gab es ca. 2,7 Millionen HIV-Neuinfektionen. Im Vergleich dazu lag 2001 die Zahl der Neuinfektionen noch bei 3,2 Millionen. Der Anteil der Infizierten, die antiretrovirale Therapien erhalten, stieg weltweit von sieben Prozent (2003) auf 42 Prozent (2008). Immer noch sterben jährlich zwei Millionen Menschen an den Folgen von Aids.

MDG 7: Ökologische Nachhaltigkeit / Zugang zu sauberem Trinkwasser und Sanitäranlagen

Worum geht es?
Im Rahmen einer nachhaltigen Entwicklung spielt der Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle eine wichtige Rolle. Er ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein sicheres Überleben und ein Leben in Würde. Bis 2015 soll sich die Zahl aller Menschen, denen kein sauberes Trinkwasser zur Verfügung steht, halbiert haben. Bis 2015 soll auch der Anteil der Menschen, die keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung haben, halbiert werden.

Stand der Umsetzung:
1990 hatten weltweit 23 Prozent aller Menschen keinen Zugang zu sauberem Wasser, 2008 waren es nur noch 13 Prozent. Aktuellen Prognosen zufolge werden 2015 nur noch zehn Prozent (672 Mio.) der Weltbevölkerung ohne einwandfreies Trinkwasser leben.
Waren 1990 2,4 Milliarden Menschen ohne Zugang zu sanitären Anlagen, so sind es heute 2,6 Milliarden Menschen. Zwei Drittel davon leben in Asien. Fehlende Hygiene infolge fehlender Sanitäreinrichtungen wirkt sich negativ auf die Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Millenniumsziele aus, vor allem auch bei den Kindern.

MDG 8: Entwicklungspartnerschaft

Worum geht es?
Die Industriestaaten haben zugesagt, ihre Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent ihres BIP (Bruttoinlandsprodukt) zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Bedingungen für die Entwicklungsländer verbessert werden, z.B. durch Schulderlass für hochverschuldete Länder und fairen Welthandel.

Stand der Umsetzung:
Insgesamt haben sich die Mittel der westlichen Geber für Entwicklungszusammenarbeit (sog. ODA = Official Development Assistance) seit dem UN-Millenniumsgipfel mehr als verdoppelt. Allerdings war 2009 infolge der Wirtschaftskrise ein Rückgang um fast 3 Mrd. USD gegenüber 2008 zu verzeichnen. Ausgehend von den angestrebten 0,7 Prozent für Entwicklungszusammenarbeit, sehen die derzeitigen Quoten vergleichsweise mager aus. So ist die ODA-Quote von 0,22 Prozent (2000) lediglich auf 0,31 Prozent /2009) angestiegen. In der Schweiz lag die Quote im Jahr 20120 bei 0.41 Prozent.

Quelle: terre des hommes und Global Policy Forum (2010): Armutszeugnis 2010