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Gewalt gegen Kinder stoppen

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Gewalt hat viele Gesichter

Gewalt gegen Kinder passiert überall. Rund die Hälfte der Jugendlichen weltweit erfahren Gewalt direkt in der Schule. Aber auch in den eigenen Familien werden Mädchen und Jungen Opfer von Gewalt. Dabei gibt es unterschiedliche Formen von Gewalt, von Missbrauch und sexueller Gewalt, über körperliche Gewalt und Misshandlung, Vernachlässigung und emotionaler Gewalt bis hin zu Gewalt in kriegerischen Konflikten. Grundsätzlich lässt sich zwischen drei Formen der Gewalt gegen Kinder unterschieden:

1. Körperliche Gewalt
2. Seelische Gewalt
3. Vernachlässigung

Körperliche Gewalt gibt es in den unterschiedlichsten Formen. Diese reichen von dem einfachen Kneifen, Schlägen bis hin zu Verbrennungen oder Stichverletzungen. Ein Kind kann durch diese Verletzungen bleibende körperliche, geistige und seelische Schäden erleiden oder sogar daran sterben.

Seelische Gewalt liegt zum Beispiel dann vor, wenn einem Kind ein Gefühl der Ablehnung vermittelt wird, indem es gedemütigt und herabgesetzt, durch Liebesentzug bestraft wird oder durch Drohungen und Strafen in Angst versetzt wird. Auch Mobbing ist eine Form der Gewaltanwendung, die Kinder oft untereinander gebrauchen. Dazu gehören beispielsweise körperliche Aggression (wie etwa schlagen, stossen, treten) oder verbale Angriffe (zum Beispiel drohen oder hänseln). Beim Cybermobbing wird der oder die Betroffene über das Internet, etwa in sozialen Netzwerken attackiert. Dabei geht es um alle Formen von Schikane, Beschimpfung, Betrug und Ausgrenzung, bei denen sich das Opfer hilflos oder gedemütigt fühlt. Etwa jeder dritte Jugendliche war schon einmal Opfer von Cybermobbing.

Die Vernachlässigung ist sowohl eine körperliche als auch eine seelische Kindesmisshandlung. Eltern können Kinder vernachlässigen, indem sie ihnen Zuwendung, Liebe und Anerkennung, Betreuung, Schutz und Förderung verweigern, oder indem die Kinder physischen Mangel erleiden müssen. Dazu gehören mangelnde Ernährung, unzureichende Pflege und gesundheitliche Fürsorge bis hin zur völligen Verwahrlosung.

Die Folgen von Gewalt

Gewalt gegen Kinder hat schwerwiegende Folgen – für die Mädchen und Jungen selbst, aber auch für ihre Familien und letztlich die ganze Gesellschaft. Gewalt in jeglicher Form, sei es psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt, führen zu einem Trauma bei den Opfern. Es gibt nicht nur sichtbare körperliche Verletzungen, sondern auch akute Belastungsreaktionen, wie etwa akute Angstsymptome. Es kann sich auch eine posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Dauerhafter Stress, verursacht durch Gewalt, wirkt sich sogar organisch aus und führt zu einer Beeinträchtigung der Hirnentwicklung bei Kindern. Im Erwachsenenalter schaden sich viele Menschen, die als Kinder Opfer von Gewalt geworden sind, selbst, indem sie riskantes Verhalten an den Tag legen. Sie rauchen mehr, trinken vermehrt Alkohol, haben ein höheres Risiko Drogen zu nehmen und leiden oft an Übergewicht. Darüber hinaus treten vermehrt psychische Erkrankungen auf, zum Beispiel Depressionen, Angststörungen, Essstörungen uvm.

Besonders kritisch wird es häufig, wenn Menschen, die als Kinder vor allem Gewalt durch Bezugspersonen wie Eltern oder Lehrer erfahren haben, selbst Kinder bekommen. Denn dann kann es sein, dass sie ihre Erfahrungen an ihre eigenen Töchter und Söhne weitergeben. Die meisten Menschen, denen als Kind von ihren engsten Bezugspersonen Gewalt angetan wurde, haben nie eine andere Art der „Erziehung“ kennengelernt und geben das Verhalten an die nächste Generation weiter. Diesen Kreislauf der Gewalt selbstständig zu erkennen und ihm zu entkommen ist für viele Betroffen keine leichte Aufgabe.

Gewalt gegen Kinder: Kein Schutz 

In vielen Ländern der Erde steht Gewalt gegen Kinder an der Tagesordnung. Sie ist gesellschaftlich akzeptiert. Einige Staaten bieten Kindern und Jugendlichen kaum Möglichkeiten, um sich zu wehren, gegen Gewalt vorzugehen. Die Jungen und Mädchen werden von staatlicher Seite nicht geschützt. Viele Staaten verurteilen Gewalt gegen Kinder zwar offiziell, es gibt in der Theorie auch Wege und Mittel für Betroffene, sich zu melden. Doch die Realität sieht anders aus. Gewalt gegen Kinder wird geduldet, den Betroffenen wird selten geholfen.

Corona führt zu noch mehr Gewalt

Die Corona-Pandemie verschärft die Gewaltsituation in vielen Familien weltweit. Dort, wo Familien auf engstem Raum in Armut hausen, dort, wo eh schon Spannungen herrschen, dort, wo gewalttätige Menschen leben, laufen Kinder Gefahr, Opfer von Gewalt zu werden. Die Schutzsysteme können nicht mehr greifen. Denn gehen Kinder z.B. nicht mehr in die Schule, sehen Lehrer nicht mehr, wenn Kinder verletzt sind oder sich auffällig verhalten. Sozialarbeiter können keine Hausbesuche mehr machen. 

Insbesondere für Mädchen steigt die Gefahr von sexueller Gewalt. In Ländern, die auf humanitäre Hilfe angewiesen sind, können Minimalstandards für Kinderschutz meist nicht eingehalten werden. Staatliche Sicherheitsorgane setzen die Ausgangssperren in einigen Fällen, wie in Indien oder Südafrika, gewaltsam um oder nutzen sie zu politisch motivierten Einschränkungen von Freiheitsrechten. Weltweit fehlt es an flächendeckendem Zugang zur Unterstützung der von Gewalt Betroffenen.

Gewalt gegen Kinder stoppen

Unser Einsatz, um Gewalt gegen Kinder zu stoppen

Wir von der Kindernothilfe setzen uns in unserer Projektarbeit im Ausland und in der politischen Arbeit in Deutschland dafür ein, dass Gewalt gegen Kinder endet und das Recht auf Schutz vor Gewalt weltweit verwirklicht wird. Wir sind in Bündnissen und Netzwerken aktiv und auch unsere Partner im Ausland vernetzen sich im Kampf gegen Gewalt.

Schutz vor Gewalt ist ein Recht für alle Kinder

Das Recht auf Schutz vor Gewalt ist klar in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen niedergeschrieben. Gewalt gegen Kinder soll eigentlich nicht weiter geduldet werden. Artikel 19 sagt deutlich, dass Staaten verpflichtet sind, Kinder vor „jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Misshandlung, Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschliesslich des sexuellen Missbrauchs zu schützen“. Artikel 22 erklärt, dass Kinder, die als Flüchtlinge in ein Land kommen, „angemessenen Schutz und humanitäre Hilfe bei der Wahrnehmung (ihrer) Rechte“ erhalten. Artikel 38 besagt: „Jedes Kind hat ein Recht auf Schutz vor kriegerischer Gewalt“. Insbesondere dürfen Kinder unter 18 Jahren nicht als Soldaten missbraucht werden.

Fast alle Staaten der Erde haben die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Doch noch immer ist Gewalt gegen Kinder an der Tagesordnung.

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